Reisetipps

Das Kloster liegt nur einen kurzen Spaziergang in nördlicher Richtung vom Dom entfernt. An der Stelle des jetzigen Klosters lag um die erste Jahrtausendwende das Dorf Rottersdorf. Nordwestlich von Rottersdorf gelegen, befand sich die Sudenburg.

Zu diesem Zeitpunkt stand bereits der ottonische Dom und um den Dom herum hatte sich eine für damalige Verhältnisse schon recht große Ansiedlung gebildet. Da wundert es nicht, dass sich in Rottersdorf ein Hospital, was auch gleichzeitig Armen- und Elendenhaus war, befand. Diese Leute wollte man nicht in der direkten Nähe haben.

1017 oder 1018 gründete der amtierende Erzbischof Gero an der Stelle des Hospitals ein Kanonikerstift und ließ eine Stiftskirche erbauen. Eine originale Gründungsurkunde existiert leider nicht. Die Gründungsdaten musste man einer in den Jahren 1129 oder 1268 gefälschten Urkunde entnehmen. Das Stift bestand bei seiner Gründung aus 12 Mitgliedern, die weitestgehend asketisch und ohne Kontakt zur Außenwelt lebten.

Bereits 50 Jahre später lässt Erzbischof Werner die Stiftskirche abreißen und eine neue Kirche erbauen. Dass kurze Zeit nach dem Bau einer Kirche, diese wieder abgerissen wird, habe ich auf meinen Geschichtstouren immer wieder erfahren. Aber warum ist das so?  Zur damaligen Zeit baute man nicht wie heute. Es gab keine Statik, keine Prüfung  und keine Baugenehmigung von staatlichen Behörden. Es gab einen Bauplan und es gab Erfahrungen. Alles andere basierte auf Versuchen. Da kam es schon mal vor, dass ein Kirchenbau einige Jahre nach der Errichtung Risse bekam und einzustürzen drohte, so dass man sich dann entschloss, das Gebäude lieber abzureißen und durch ein neues zu ersetzen. Ob dies hier der Fall war, weiß ich nicht. Aber es könnte so gewesen sein. Im Jahr 1078 wurde der Erzbischof schon in der Kirche beigesetzt.

Zentraler Ort eines jeden Klosters ist der Kreuzgang. Der Kreuzgang verbindet alle Gebäude eines Klosters und ist sozusagen ein überdachter Flur. So spielte bei dieser Tour der Kreuzgang eine zentrale Rolle. Ich wandelte sozusagen durch den Kreuzgang und durch die Geschichte, die sich um ihn herum abspielte.

Tatsächlich ist der Kreuzgang rein romanischen Ursprungs mit nur sehr kleinen Veränderungen im Laufe der Zeit.

Eine dieser Veränderungen muss man ein wenig suchen. Sie befindet sich in der Nähe vom Eingang zur Kirche in den Arkaden zum Hof des Kreuzganges.

Wenn man genau hinschaut, erkennt man zwischen den Rundbogenarkaden plötzlich einen Spitzbogen. Hier war ursprünglich einmal der Zugang zum Kreuzhof.

Der größte Anziehungspunkt eines Klosters ist natürlich die Kirche. Der Zugang erfolgt über den Kreuzgang in den Nordteil des Querschiffes. Mein erster Blick fiel gleich in das sich rechter Hand erstreckende Langhaus.

Und mein zweiter Blick fiel auf das Tuch, was man vor den Westbau gespannt hat. Ich empfand es etwas störend, da es den Blick auf den dahinter befindlichen Rundbogen nimmt.

Der dritte Blick fiel dann endlich auf die Architektur und diese widerspiegelt zwei Bauepochen. Zum einen die Romanik in den Rundbögen, die das Langschiff von den Seitenschiffen trennt und zum anderen die Gotik, die sich in den vor den Rundbögen vorgeblendeten Spitzbögen und natürlich im Kreuzrippengewölbe wiederfindet.

Ursprünglich besaß die Kirche eine flache Holzdecke. Davon zeugen noch im Querschiff befindliche Auflager.

Auf diesem Foto erkennt man auch sehr gut, dass die vorgeblendeten gotischen Säulen das nachträglich eingebaute Kreuzrippengewölbe trägt.

Ursprünglich waren auch die Pfeiler zwischen Langhaus und Seitenschiffen als Säulen ausgebildet. Nach dem Stadtbrand 1188 wurden die Säulen ummantelt und als Pfeiler hergestellt. Sozusagen mittelalterlicher Brandschutz oder vielleicht doch eine statische Korrektur. Noch heute kann man am nördlichen Vierungspfeiler die Reste einer dieser romanischen Säulen erkennen.

Weitere wunderschöne Details romanischen Ursprungs sind die Kapitelle der Pfeiler,

die Reste von Malereien im Rundbogen am Westbau

und die Muldennischen an den Wänden des Chores.

Der Chor wird von der aus den 70-er Jahren stammenden großen Orgel bestimmt.

Die Kirche dient seit den 70-er Jahren ausschließlich als Konzerthalle.

Als ich nun bereits auf den Weg zum Ausgang war, fiel mir seitlich des etwas vorgezogenen Chores eine Treppe auf, die nach unten führt.

Der Chor einer Kirche ist vom Niveau meist höher gelegen als der restliche Kirchenraum. Hier wirkt er fast wie eine Bühne, was in einer Kirche sicherlich auch Sinn macht. Aber letztendlich beruht dies auf der unter dem Chor, also dem allerheiligsten Bereich einer Kirche, befindlichen Krypta. Das Wort „Krypta“ kommt aus dem griechischen und bedeutet verborgen oder geheim. In der frühchristlichen Kirche trafen sich die Christen in den Katakomben zum Beispiel in Rom. Einerseits um eben den verbotenen „Kult“ im Verborgenen abzuhalten und andererseits auch um den Verstorbenen, die in den Katakomben beigesetzt wurden, nahe zu sein. Über einigen besonderen Gräbern in Rom, beispielsweise über dem Grab des heiligen Petrus, wurde später eine Kirche errichtet. So entwickelte sich die Krypta von einer Gruft in der man Heilige oder Märtyrer bestattete zu einer Gebetsstätte im heiligsten Bereich einer Kirche.

Im Falle der Klosterkirche befindet sich unter dem Chor eine Hallenkrypta mit einem schönen Kreuzgratgewölbe, was die erhebliche Erhöhung des Chores erklärt.

Auf der gegenüberliegenden Seite, also in Richtung Langhaus kann man durch ein erst in der Neuzeit angelegtes Fenster in das Grab des Heiligen Norbert von Xanten blicken.

Norbert von Xanten ist die zentrale Figur des Klosters unserer lieben Frauen. Er wurde ca. 1080 geboren und erhielt in einem Stift in Xanten eine eher weltliche Ausbildung. Es wird gesagt, dass er während eines Gewitters vom Pferd stürzte und durch diesen Unfall bekehrt wurde. Er ließ sich zum Priester weihen und lebte zeitweise als Eremit. Der von ihm gegründete Prämonstratenserorden orientierte sich am strengen und beschwerlichen Leben der Eremiten. Der Orden sollte unabhängig und losgelöst von hohen kirchlichen Ämtern existieren. Umso mehr verstörte es die Glaubensbrüder, als sich der Gründer zum Erzbischof von Magdeburg ernennen ließ und das Kloster auf alle Zeiten den Magdeburger Erzbischöfen unterstellte. Gleichzeitig war die Inanspruchnahme der Stiftskirche durch den Orden für die Bevölkerung eine nicht unerhebliche Einschränkung, stand doch die jetzt geschlossene Kirche vorher den Gläubigen für Gottesdienste zur Verfügung. Da wundert es nicht, dass in dieser Zeit zwei Mordanschläge auf Norbert verübt wurden. Norbert sagt man nach, dass er sehr gewandt im Predigen gewesen sein soll, also wahrscheinlich ein Mensch mit Charisma. Schriftliche Hinterlassenschaften gibt es von ihm keine. Im Laufe der Zeit wird das Kloster unserer lieben Frauen zum Mutterkloster des Ordens im sächsischen Raum. Die Klöster in Leitzkau, Havelberg, Jerichow und bis zu 13 weitere Konvente werden den Prämonstratensern unterstellt. Das Einflussgebiet des Klosters reichte bis ins jetzige Polen hinein. Zum Ende seines Lebens „wendete“ sich Norbert als Erzbischof wieder weltlichen Dingen zu, indem er den römisch-deutschen Kaiser Lothar in seinen Machtbestrebungen unterstützte. Gerade dieses Hin und Her in geistigen und weltlichen Belangen macht die Figur des Norbert zu einer etwas umstrittenen Person. Vielleicht liegt es daran, dass er erst 1582 heilig gesprochen wurde.

Als Norbert 1134 stirbt besaß die Kirche ihre hohen Westtürme und die wichtigsten Klausurgebäude, wie das Refektorium mit Küche und das Dormitorium.

Zurück im Kreuzgang kommt man rechterhand in die „Hochsäulige Kapelle“. Ursprünglich befand sich hier die nördliche Nebenapsis, die man nach dem Stadtbrand 1188 abgerissen hat. Was der ursprüngliche Zweck dieser Kapelle war weiß man heute nicht mehr. Sie wurde aber nachweislich als Sakristei genutzt. Der unverfälschte romanische Ursprung macht aber den Reiz der Kapelle aus.

Die zum Kreuzgang offenen Doppelarkaden lassen die Kapelle zudem sehr leicht und großzügig erscheinen.

Wenn man nun aus der Halle wieder in den Kreuzgang geht und sich nach rechts wendet, kommt man in den Ostflügel.

Das Bild zeigt den Blick von der Hochsäuligen Kapelle in den Ostflügel des Kreuzganges. An diesen Flügel schlossen der Kapitelsaal im Erdgeschoss und das Dormitorium im Obergeschoss an. Weiterhin befand sich dort auch das Brauhaus. Der Kapitelsaal diente allen organisatorischen Dingen des Klosters. Hier wurden Versammlungen abgehalten, hier fand auch die Wahl eines neuen Abtes statt und auch die Einkleidung der Novizen. Im Dormitorium befanden sich die Schlafräume, entweder als Zellen oder als Schlafsäle. Warum das Brauhaus nun direkt neben den Schlafräumen liegt, mag wahrscheinlich bauliche Gründe haben. Ich finde es ziemlich praktisch. Klöster verbindet man immer mit dem Bierbrauen. Aber sie waren nicht die einzigen Stätten in denen dieses Getränk hergestellt wurde. Schließlich war Bier eines der wichtigsten Getränke im Mittelalter überhaupt. Mit dem heutigen Bier ist es allerdings nicht zu vergleichen. Im Mittelalter wurde ein Dünnbier gebraut. Würden die heutigen Klosterbrauereien dieser Tradition treu sein, würde es wahrscheinlich ziemliche Absatzprobleme geben. Das Dünnbier wurde von der breiten Bevölkerung, auch von Kindern, getrunken, denn oft war das Wasser von so schlechter Qualität, dass das Bier eine echte Alternative dazu war. Und um die benötigten Mengen herstellen zu können, gab es eben auch außerhalb der Klöster viele Brauereien. Nur gibt es kaum schriftliche Erwähnungen dieser Brauereien. Von Klosterbrauereien hingegen gibt es viele schriftliche Zeugnisse. Das hat einfach nur damit etwas zu tun, dass man im Kloster schreiben konnte.

Das Dormitorium wurde bei der Zerstörung Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt. Es diente dann noch als Scheune und im 19. Jahrhundert wurde an dieser Stelle ein Schulgebäude errichtet, was sich auch immer noch dort befindet.

Nach Norberts Tod ging eine nicht unerhebliche Anzahl von Besitzrechten auf das Kloster über. Im Gegensatz zum Augustinerorden, der ja, was die Ordensregeln betrifft, Vorbild war, konnten die Prämonstratenser über weltlichen Besitz verfügen. So besaßen die Prämonstratenser das Patronat über fast alle zum damaligen Zeitpunkt bestehenden Magdeburger Kirchen. Auch eine Vielzahl von städtischen und ländlichen Besitzungen gehörten zum Kloster. Der immer größer werdende Reichtum rief natürlich Neider auf den Plan. Sowohl der Adel als auch die immer stärker werdende Bürgerschaft wollten ihre Interessen insbesondere in Hinblick auf ertragreiche Grundstücke sichern. Was lag also näher, als Rechte über die Besitzungen der Klöster anzumelden. Und genau in diese Zeit fällt auch die gefälschte Gründungsurkunde des Stiftes, von der ich am Beginn unserer Tour durch das Kloster berichtete. Mit dieser Fälschung wollte man wahrscheinlich einige Besitzansprüche endgültig klären.

Im 15. Jahrhundert dehnt sich das Klostergelände stark aus. Es entsteht ein Gasthaus und das schon angesprochene Brauhaus, das bei einem Brand zerstörte Dormitorium wurde wieder aufgebaut, eine zweite Propstei wird errichtet, die Wallfahrtskapelle zum Ölberg und eine Druckerei entstehen. Es lief alles super für das Kloster. Und dann kam die Reformation.

Das Kloster wird geplündert und verliert die Patronate an den Magdeburger Kirchen, da diese protestantisch werden. Nun zahlen sich die Besitzungen aus. Ohne diese, hätte das Kloster keine Einnahmen mehr und das wäre das Ende der Prämonstratenser in Magdeburg gewesen. Glaubensbrüder aus den Klöstern in Jerichow und Leitzkau nehmen Zuflucht im Kloster. Der Klosterschatz wird vom Rat der Stadt während der Bauernunruhen 1524/1525 aufbewahrt. Die geplünderte Kirche wurde dann einige Jahre später vom Rat der Stadt für 11 Jahre geschlossen.

Und da sind wir dann beim Brunnenhaus, lateinisch Lavatorium.

Hier nämlich, so nimmt man an, soll der Klosterschatz, nebst der Bibliothek und des Archivs in der oberen Etage aufbewahrt worden sein. Also bevor der Rat der Stadt ihn sicherstellte. Das Brunnenhaus ist das älteste noch erhaltene seiner Art nördlich der Alpen.

Ein Brunnen hat dort wohl nie gestanden, zumindest ist keiner nachweisbar. Dafür findet man auf dem Boden im Erdgeschoss einen Stern, das Zeichen der Prämonstratenser.

Hier stand wahrscheinlich lediglich eine Wasserschale, die für die rituellen Handwaschungen vor dem Gang ins Refektorium benötigt wurde. Darüber hinaus wurde hier auch die Tonsur geschnitten, also dieser spezielle Haarschnitt der Mönche mit dem kahlen Oberkopf. Daher wird dieses Gebäude auch „Tonsur“ oder „Rasur“ genannt.

Im Obergeschoss befindet sich ein Rauchabzug. Warum dieses Geschoss beheizbar war, weiß man nicht. Aber da dort ja unter anderem die Bibliothek gewesen sein soll, würde ein Kamin schon Sinn machen.

Imposant ist ein Blick nach oben in das gemauerte kegelförmige Dach. Ein Meisterwerk der Maurerkunst.

Aber eigentlich waren wir bei der Reformation stehen geblieben. Das Kloster überstand die wirre Zeit, bis auf die Plünderungen, relativ unbeschadet. Eigentlich ein Wunder in dieser protestantischen Hochburg. Es blieb aber unter strenger Beobachtung. Das Misstrauen gegenüber den Katholiken war sehr groß und eigentlich wollte man diese gar nicht mehr in der Stadt haben. Und was tut man dann? Man beginnt zu schikanieren. Die Schikane bestand darin, dass man Visitationen durchführte. Es erfolgten Überprüfungen und Bestandsaufnahmen durch protestantische Würdenträger. Bei einer Visitation im Jahre 1562 wurde festgestellt, dass im Kloster noch sechs Brüder leben und 618 „guth und böß“ (lutherische und katholische) Bücher vorhanden sind. Die katholischen Mönche müssen sich also schon mit den protestantischen Lehren auseinandergesetzt haben.

Elf Jahre später lebten noch drei Katholiken und zwei Protestanten im Kloster. Nun war man bereits dazu übergegangen den Katholiken auch protestantische Brüder zur Seite zu stellen. Aber womit konnte man die Prämonstratenser derart erpressen? Der Orden wollte das Kloster nicht aufgeben und bei den wenigen Brüdern musste unbedingt für Zuzug gesorgt werden. Dieser kam aus Westfalen, aber der Preis dafür war eben, dass auch protestantische Mönche im Kloster leben sollten.

1591 fand dann der erste protestantische Gottesdienst in der Kirche statt. Als dann sechs Jahre später auch noch der Propst stirbt, „waren die Messen gesungen“. Der nächste Abt war protestantisch. 1601 verließen die Prämonstratenser das Kloster. Die Gebeine des inzwischen heiliggesprochenen Norbert wurden in ein katholisches Kloster nach Prag verbracht, wo sie sich auch immer noch befinden.

Auf dem Weg durch den Kreuzgang ging ich nun über den Nordflügel in Richtung Ausgang. Und gegenüber vom Museumsshop gelangt man in das ehemalige Refektorium. Hiervon war ja schon öfter mal im Bericht die Rede. Das Refektorium ist der Speisesaal der Mönche. Jetzt ist hier das Kunstmuseum untergebracht.  Zur Kunst sage ich mal besser nichts. Mein Kunstverständnis hält sich nämlich in Grenzen. Dafür begeistert mich die Bauform. Eine riesige Tonne mit einer Länge von 45 Metern und einer Breite von 8 Metern. Sehr beeindruckend, wie ich finde.

Eine Etage tiefer gelangt man in einen weiteren Raum. Dieser wird auch als mittlere Tonne bezeichnet.

Über die in der Mitte des Raumes befindliche Treppe gelangt man dann in die untere Tonne. Im Übrigen ist die unterste Tonne das jüngste Bauteil des Refektoriums. Offensichtlich brauchte man einen kühlen Keller.

Und auf dem Weg von Etage zu Etage begegnen einem überall Relikte der Baugeschichte, die die Phantasie anregen.

Vom Foyer gelangt man über eine Treppe in das Obergeschoss des Kreuzganges. Von hier aus kommt man übrigens auch in das obere Geschoss des Brunnenhauses.

Dass es sich um einen Teil des Kreuzganges handelt, ist kaum noch zu erkennen. Glatte weiße Wände, ein ebener Fußboden, alles sehr steril. Passend zur modernen Kunst, die hier präsentiert wird.

Aber wenn man genauer hinschaut, wird man an die historische Hülle erinnert.

Der Dreißigjährige Krieg kam im Schlepptau der Reformation. Der Habsburger Ferdinand II. regierte das römisch-deutsche Reich im Sinne der Gegenreformation. Beide Konfessionen rangen um Landgewinne. Da bestimmte der Kaiser im Jahre 1628, dass die Prämonstratenser in das Kloster zurückkehren können. Als nun am 20. Mai 1631 die katholischen Truppen Tillys die Stadt verwüsteten blieb die totale Zerstörung des Klosters aus. Schließlich war das Kloster wie eine katholische Insel in der Stadt. Es erlitt zwar Schäden, aber die hielten sich in Grenzen.

Nachdem ein Jahr später Tillys Truppen die Stadt verlassen mussten, gaben die Prämonstratenser das Kloster zum zweiten Mal auf. Dieses Mal nahmen sie auch die Bibliothek und das Archiv mit. Seitdem ist dieser Schatz verschwunden. Das Kloster selbst steht sechs Jahre leer und wird geplündert. Magdeburg war im Niedergang. Die Stadt glich einer Trümmerwüste, Epidemien rasten durch die Stadt und dezimierten die verbliebene Bevölkerung noch weiter. Der Rat der Stadt übernimmt schließlich die Gebäude und bestimmt den Domprediger Reinhard Bake, der tausende Magdeburger Bürger mit seinem Kniefall vor Tilly vor dem Tode bewahrte, zum Propst.

Der westfälische Friede, der den Dreißigjährigen Krieg beendete, zog die Grenzen in Europa neu. Magdeburg ging an Brandenburg. Die Preußen zogen ein. Inzwischen verfiel die Klosterkirche. Infolge der Kriegszerstörungen stürzte ein Teil des Chores ein. Am Ende des 17. Jahrhunderts begann der Wiederaufbau. Der Chor erhielt die spitzbogigen Fenster und das Kloster wird zur Knabenschule und etwas später zum Pädagogium, einer höheren Schule. Die ersten Unterrichträume wurden im Refektorium eingerichtet und die Schule erhält eine neue Bibliothek.

Magdeburg beginnt sich vom Trauma des Dreißigjährigen Krieges zu erholen. Die Umgebung des Klosters erhält ein völlig neues Aussehen. Straßenzügeweise erfolgt die Bebauung. Das Kloster steht plötzlich mitten in einer Häuserfront.

Gegen Ende des  18. Jahrhunderts wird die Lehranstalt reformiert. Zensuren halten Einzug in den Schulbetrieb. Es wird Hebräisch, Deutsch, Latein, Französisch, Theologie, Philosophie, Geschichte, Mathematik, Physik, Naturkunde und Geografie gelehrt. Die ersten Jahrbücher entstehen, die einen guten Einblick in die Entwicklung der Schule geben. Es ist die Zeit der Aufklärung aber im Westen formiert sich eine neue Gefahr.

Magdeburg ist inzwischen zu einer Festung ausgebaut worden. Es gab sogar Pläne, auf dem Südturm eine Schrotgießerei zu errichten. Soweit kam es aber nicht. Napoleon war schneller und besetzte die Stadt zum Ende des Jahres 1806. Die Kirche wird zum Viehstall und zum Magazin. Nach 10 Jahren war es mit der französischen Herrschaft vorbei. Die Kirche wird wieder katholisch und die Schule staatlich. Sämtliche Klostergebäude werden umgebaut und damit dem damaligen Schulstandard angepasst. Die Romanik wird dabei weitestgehend überbaut. Die Schule zählt nun 517 Schüler.

Auf meinem Weg durch den Kreuzgang bin ich nun wieder am Eingang angekommen. Ein Kaffee und etwas zu essen wäre nicht schlecht und da bietet sich das hauseigene Café geradezu an. Und hier sind wir im letzten Gebäude, welches sich an den Kreuzgang reiht, das Sommerrefektorium. Hier, wo ich jetzt sitze und meinen Kaffee genieße, saßen einst die Mönche in den warmen Monaten und speisten ihr zumeist klägliches Mahl. Der Blick durch die Scheiben in den Kreuzgang ist herrlich. Allerdings sah der Raum völlig anders aus. Es war eine zweischiffige Halle und das Gewölbe wurde von antiken Säulen getragen, die wahrscheinlich Otto I. aus Italien mitgebracht hat.

Nach dem zweiten Weltkrieg stand genau an der Stelle des Sommerrefektoriums nichts mehr. Die Klostergebäude und die gesamte Umgebung gingen am 16. Januar 1945 im Bombenhagel fast vollständig unter. Beim Wiederaufbau orientierte man sich an den Umrissen der Romanik. Die Überbauungen aus dem 19. Jahrhundert wurden entfernt soweit sie nicht schon bereits weggebombt waren. Die Gebäude, die sich in der näheren Umgebung des Klosters befanden, wurden gänzlich abgerissen. Bei den klostereigenen Gebäuden ließ man einige Ruinenreste stehen oder legte noch vorhandene Grundmauern frei.

Und damit beginnt der letzte Teil meiner Tour, ein Rundgang um das Kloster. Beginnend auf der Ostseite ein Blick auf das Sommerrefektorium, den heutigen Museumsshop und das Café.

Imposant sind die verspiegelten Fenster des Obergeschosses. Eine tolle Einheit zwischen Historie und Moderne.

Südlich schließt sich der Westbau mit den Türmen an.

Bei den schlanken Türmen dachte ich zuerst an Minarette . Wer weiß schon, was der Baumeister im Kopf hatte, als er die Türme entwarf. Letztendlich sind es Treppentürme, die in die Glockengeschosse führen. Bis auf das im 18. Jahrhundert eingebaute Westportal ist dieser Gebäudeteil weitestgehend originalgetreu erhalten und spiegelt den typisch romanischen Querriegel wider.

Geht man nun am Turm vorbei zur Südseite, gelangt man an ein romanisches Portal. Die Türen sowohl am West- als auch am Südportal wurden vom Bildhauer Heinrich Apel in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschaffen.

Im weiteren Verlauf kommt man an einem gotischen vermauerten Portal vorbei.

An der Südwand des Querschiffes kann man noch einen schönen Rundbogenfries erkennen.

Steht man nun seitlich vor dem Chor sieht man im Vordergrund die Überreste der Alexius-Kapelle.

Und wenn man direkt vor der Apsis steht, hat man links den Blick auf die südliche Nebenapsis und rechts auf die Hochsäulige Kapelle.

Der Ostgiebel des Refektoriums ist ein Musterbeispiel romanischer Architektur.

Direkt an der Klosterstraße findet man noch weitere Mauerreste. Diese gehörten wohl zur Propstei.

Damit wäre der Spaziergang durch und um das Kloster unserer lieben Frauen beendet. Gemessen an den vielen Zerstörungen der Gebäude in der Vergangenheit ein bemerkenswert originalgetreu erhaltener beziehungsweise restaurierter Zustand. Eigentlich das Gebäude in Magdeburg, welches die Zeit der Romanik am besten widerspiegelt.