Noch vor dem Wendenkreuzzug um das Jahr 1144 schickt das Kloster Unserer Lieben Frauen in Magdeburg ehrgeizige Prämonstatenser jenseits der Elbe um Missionsarbeit an den dort ansässigen Slawen zu betreiben. Die Gegend um Jerichow gehört zu diesem Zeitpunkt den Grafen von Stade. Graf Hartwig von Stade stiftet das Kloster Jerichow und schenkt dem Kloster das Gebiet um Redekin. Ob es dort zu diesem Zeitpunkt schon eine Ansiedlung gegeben hat, weiß man nicht mit Gewissheit. Aber einiges spricht dafür, denn Redekin ist dem Wortlaut nach eine slawische Ansiedlung. 30 Jahre später gibt es den ersten schriftlichen Hinweis auf das Dorf. Das Kloster in Jerichow tauscht 11 Hufen in Redekin gegen die Burg Jerichow. Nun gehört Redekin zum Erzbistum Magdeburg. Zu dieser Zeit war eine Familie von Redekin Lehnsherr. Noch bis ins 17. Jahrhundert ist diese Familie in der Gegend ansässig und dann erloschen.

Die Dorfkirche entstand um das Jahr 1200. Probst Isfried von Kloster Jerichow soll den Bau der Kirche in Redekin und in vielen anderen Ansiedlungen rund um Jerichow angeregt haben. Da Isfried 1180 Bischof von Ratzeburg wurde, liegt eigentlich nahe, dass der Beginn der Kirchenbauten vor 1180 gewesen sein muss.

Beginnen wir einfach wieder mit einem Rundgang um die Kirche am Westportal. Ein prächtiges mehrstufiges Portal , was in seiner Größe eher einer Stifts- oder Klosterkirche entspricht. Die Holztür trägt eindeutige gotische Züge und wurde erst in den letzten Jahren aufwändig restauriert. Die Löcher in der Fassade, die an der gesamten Kirche zu finden sind, sind übrigens die Rüstlöcher vom Bau der Kirche.

Wie das Kloster in Jerichow ist auch diese Kirche aus Backsteinen erbaut worden. Begibt man sich nun rechter Hand auf die Südseite der Kirche erkennt man wieder die typischen Näpfchen und Rillen. Eine eindeutige Erklärung für diese in Stein hinterlassenen  Spuren unserer Ahnen gibt es nicht, da schriftliche Überlieferungen hierzu fehlen. Dies spricht für einen Aberglauben, der zwar praktiziert wurde, über den man jedoch nicht offen sprach und schon gar nicht schriftlich darüber berichtete. Die Wetzrillen sollen das Produkt der sogenannten Schwertweihe sein. Man schlug ein Schwert an die Kirchenwand mit dem Wunsch Gottes Segen im Kampf zu erlangen. Die Näpfchen sind wohl Aushöhlungen, die entstanden sind wenn man sich Steinstaub als Glücksbringer aus der Wand geschabt hat.

Geht man nun ein Stückchen weiter kommt man zu zwei Fenstern, die wie das Fenster auf der Nordseite des Kirchensaales in einem quadratischen Vorsprung eingelassen wurden. Bei dem Fenster auf der Nordseite und beim westlichen Fenster auf der Südseite handelt es sich tatsächlich um ehemalige Portale, die direkt in das Langhaus führen. Beim östlichen Fenster gehen Bauforscher jedoch davon aus, dass es sich ursprünglich um ein sogenanntes Hagioskop handelte. Ein Hagioskop ist eine kleine Öffnung im Mauerwerk, ähnlich einem Fenster, die den Blick auf den Altar erlaubt. Im Fall von Redekin ist aus dieser Position allerdings der Altar nicht erkennbar. Man geht jedoch davon aus, dass der Blick durch das Fenster auf einen Nebenaltar gerichtet war. Wozu diente ein solches Fenster überhaupt? Im Mittelalter gab es Menschen, die von der Gemeinschaft ausgeschlossen waren. So traf dies für Aussätzige, also Leprakranke zu. Auch Menschen, die Strafen verbüßten wurden zeitweise aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Daneben gab es noch Eremiten und Klausner, die sich selbst der Einsamkeit verpflichteten. Damit diese Menschen ebenfalls Gottes Nähe erfahren konnten, wurden diese Fenster erschaffen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Hagioskop zu einem Fenster erweitert und den ehemaligen Portalen angepasst.

Aber noch etwas kann man anhand des Hagioskopes erfahren. In der Altmark und auch im Elbe-Havel-Winkel trifft man so gut wie gar nicht auf dieses Baudetail. Aber in der Gegend um Groningen, in den heutigen Niederlanden, war diese Bauform ein typisches Merkmal seiner Zeit. Sollten es vielleicht Bauleute aus dieser Gegend gewesen sein, die am Bau der Redekiner Kirche beteiligt waren?

Das Westportal am Turm wurde lediglich an hohen Feiertagen, Hochzeiten, Taufen und ähnlichen Anlässen benutzt.

Betrachtet man die Südseite der Kirche genauer, stellt man fest, dass eine strenge Einteilung mit Lisenen vorgenommen wurde. Lisenen sind die senkrecht verlaufenden Mauervorsprünge, die dem Gebäude eine Gliederung geben. Im Bereich des Chores findet man unter der Traufe einen Rundbogenfries mit einem darüber angeordnetem Deutschen Band. Wogegen das Langhaus und die Apsis einen Kreuzbogenfries aufweisen. Dies erscheint etwas ungewöhnlich, da der Chor zumeist aufwändiger geschmückt ist als der Rest der Kirche. Das könnte folgende Bewandnis haben. Den Bau einer Kirche begann man üblicherweise mit dem Chor. Dies hatte den Vorteil, dass man damit einen Gebäudeteil geschaffen hatte, der selbstständig bestehen und in welchem bereits Gottesdienste stattfinden konnten.

Als nächstes erfolgte der Bau des Turmes bis zur Höhe des Chores. Auf dem Bild kann man sehr schön erkennen, dass es am Turm auf der Höhe des Chores tatsächlich einen Wechsel in der Farbstruktur der Backsteine gibt. Als nächstes baute man dann vom Turm aus das Langhaus in Richtung Chor. Oft kann es dabei zu Höhenabweichungen und auch hier ergibt sich ein derartiger Hinweis. Schaut man sich an, wie die Fenster des Chores und des Langhauses angeordnet sind, stellt man fest, dass die Fenster des Langhauses etwas höher liegen als die des Chores. Ob das so gewollt war? Zum Abschluss wurde der Turm fertiggestellt.

Wenn man nun am Übergang vom Langhaus zum Chor steht und etwas nach oben schaut, erkennt man zwei Sonnenuhren. Die untere ist etwas stärker verwittert, was dafür spricht, dass diese älteren Datums ist.

Am Chor angekommen, steht man nun an der Priesterpforte. Diese scheint die kleine Schwester des Westportals zu sein.

Die Apsis wird wohl zusammen mit dem Langhaus errichtet worden sein, zumindest spricht der Kreuzbogenfries dafür. Die Eindeckung der Apsis wirkt fast original, dabei wurde diese erst vor ein paar Jahren erneuert. Die Dachziegel, hier sind es Mönch und Nonne, stammen vom Pulverturm in Tangermünde. So schlug man zwei Fliegen mit einer Klappe. Es wurden Baustoffe recycelt und die Apsis erhielt ein altertümliches Aussehen.

An der Nordseite der Kirche ist die Sakristei angebaut. Hierzu kommen wir später noch. Und auch hier findet man, wie auf der Südseite ein zum Fenster umgebauten ehemaligen Zugang zur Kirche.

Und schon stehen wir wieder vor dem Portal zu Kirche.

Durchquert man nun den Turm eröffnet sich ein heller Kirchenraum. Wie in vielen Dorfkirchen dominieren auch hier das barocke, aber sehr schlicht gehaltene Gestühl und die Hufeisenempore mit Patronatsloge. Denkt man sich wieder die gesamte Ausstattung weg, verbleibt ein fast unverändertes romanisches Aussehen, beginnend über den Triumphbogen, das Kreuzgratgewölbe des Chores und die flache Holzdecke im Kirchenschiff.

Nur ein Ausstattungsgegenstand gehört in das romanische Ambiente. Der Taufstein. Leider ist nur das Becken romanischen Ursprunges. Der Fuß stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Und damit verlassen wir die Romanik und widmen uns ein wenig den Menschen, die über die Jahrhunderte das Dorf und die Kirche mit Leben erfüllten. Die Herren von Redekin hatten vermutlich nur bis ins 14. Jahrhundert die Lehnshoheit. Um das Jahr 1376 tauchten die Familien von Katte und von Britzke im Dorf auf, was vermuten lässt, dass das Lehen am Dorf auch auf diese Familien übertragen wurde.

Einhundert Jahre später haben Henning von Randow und seine Söhne ihren Wohnsitz in Redekin. Hier gibt es nun gesicherte Erkenntnisse, dass die von Randows das Lehen übernommen haben. In die Zeit der Herren von Randow fallen auch die Weihung der beiden Kirchenglocken und die Fertigung und Aufstellung des Altars, dessen beide Flügel in den Wirren des 2. Weltkrieges leider verloren gingen. Schon anhand der Auswahl der hier dargestellten Heiligen ist die Nähe der Kirche zum Magdeburger Domkapitel erkennbar. Links von der Mutter Maria mit dem Kind findet man die Heilige Katharina und den Heiligen Mauritius.

Das Epitaph an der rechen Seite des Chores zeugt vom Tod des Caspar von Randow im Jahre 1581, der hier in Ritterrüstung dargestellt ist. Er selbst soll genau an dieser Stelle im Kirchenfußboden beigesetzt sein.

Im Dreißigjährigen Krieg durchziehen mehrfach schwedische Truppen das Dorf. Die Kirche wird durch ein Feuer schwer beschädigt.

Die Priesterpforte an der Südseite des Chores weist auf ihrer Außenseite eine Beschädigung auf. Hier wird gesagt, dass dies Spuren einer Axt sind und die Beschädigung  aus dem Dreißigjährigen Krieg stammt.

Nach dem Krieg wurde die Kirche wieder repariert und erhielt das jetzige Kirchengestühl aus unbehandelten Kiefernholz samt Patronatsloge und Kanzel. Die Einritzung der Jahreszahl in der hinteren Bankreihe zeugt davon.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges zogen die Preußen ein. Ob die Herren von Randow nun ihren Besitz verkaufen wollten um nach Mecklenburg überzusiedeln oder ob sie gezwungen wurden ihren Besitz zu veräußern ist nicht bekannt. Fakt ist allerdings, dass 1763 der preußische Reitergeneral Robert Cipio Lentulus den gesamten Besitz der von Randow in Redekin kauft und somit auch Patron der Kirche wird. Lentulus errichtet ein Gutshaus in Redekin, welches angesichts seiner Größe und Pracht auch als Schloss bezeichnet wurde. Lentulus steht sehr in der Gunst des Alten Fritz, der ihn wohl auch mehrfach in Redekin besuchte.

Aber auch für die Kirche zahlt sich der neue Patron aus. In der kurzen Zeit seines Patronats erhält die Kirche eine Rokoko-Orgel und einen Dachreiter, der aber bereits wieder abgerissen werden musste.

Nur 17 Jahre bleibt Lentulus in Redekin, dann verkauft er sein Gut und die Rechte am Dorf an die Familie der von Alvensleben.

Viele Gedenktafeln zeugen von der Herrschaft dieser Adelsfamilie. Die Beisetzung erfolgte zunächst in der Sakristei an der Nordseite der Kirche und später im Fußboden des Chores.

Ende des 18. Jahrhunderts wird die gesamte Kirchenausstattung nach Schlagenthin verbracht. Warum dies geschah ist nicht überliefert. Fakt ist aber, dass diese dort einem Brand zum Opfer fiel. Nur die Kirchenbücher blieben von diesem Schicksal verschont. Im Laufe der Zeit stifteten die von Alvensleben so neue Leuchter, ein neues Altarkreuz, den Kronleuchter und eine neue Fensterverglasung einschließlich der noch vorhandenen Bleiverglasung der Apsisfenster. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erhält die Kirche eine neue Ausmalung, die man auch heute noch sieht. Die zu dieser Zeit moderne himmelblaue Ausmalung der Apsiskalotte wurde auch hier vorgenommen.

Gegen Ende des 2. Weltkrieges brennt das Gutshaus bis auf die Grundmauern herunter. Die Bodenreform besiegelt dann auch das Ende der Adelsfamilie von Alvensleben in Redekin.

Nach der Wende  engagieren sich die Nachfahren der von Alvensleben im Dorf ohne jemals wieder in den Besitz ihrer Güter gekommen zu sein.  Aber wie in anderen Orten gibt es auch hier Menschen, die sich für den Erhalt der Kirche einsetzen. So konnte vor einigen Jahren mit Spendengeldern die Joche der Kirchenglocken erneuert und Dank einer ehemaligen Redekinerin die Turmuhr instandgesetzt werden.